Schüler werden kommunalpolitisch tätig

Gammertingen will neues Jugendprojekt auf den Weg bringen und stellt Antrag auf Förderung

Schler werden kommunalpolitisch ttig 2016

Papierkram ist bei Jugendlichen nicht beliebt. Darum will die Stadt Gammertingen den jungen Leuten eine andere Form der kommunalpolitischen Arbeit anbieten.
Bild: Ignaz Stösser

Gammertingen - In vier kleineren Kommunen des Landkreises, darunter auch Hettingen, werden sogenannte 14er-Räte gebildet, mit denen Jugendliche an der kommunalpolitischen Arbeit beteiligt werden sollen. Gammertingen will nun einen Schritt weitergehen und ein Jugendprojekt auf den Weg bringen, das deutlich über den 14er-Rat beziehungsweise einen Jugendgemeinderat hinausgeht.

"Wir machen uns schon seit Jahren Gedanken, wie wir Jugendliche an der Kommunalpolitik besser beteiligen können", sagt Bürgermeister Holger Jerg. Es habe Überlegungen gegeben, einen Jugendgemeinderat zu gründen, doch das sei nicht der richtige Weg gewesen, die Jugendlichen zum Mitmachen zu bewegen. Nun hat aber eine Änderung der Gemeindeordnung des Landes Baden-Württemberg neuen Schwung in diese Überlegungen gebracht. Hier heißt es nämlich: "Die Gemeinde soll Kinder und muss Jugendliche bei Planungen und Vorhaben, die ihre Interessen berühren, in angemessener Weise beteiligen." Auch die Tatsache, dass der Bund die Bildung von 14er-Räten fördert, beschleunigte die Ausarbeitung des Projekts.

Der Jugendbeauftragte der Stadt Frank Steng hätte sich gerne eingebracht, um einen 14er-Rat auch in Gammertingen zu bilden. Doch dieses Projekt sei lediglich für kleinere Kommunen als Gammertingen gedacht, in denen es bisher nur wenig oder gar keine Jugendarbeit gab, sagt er.

Mit einem neuen Konzept, das Steng gemeinsam mit der Verwaltung entwickelt hat, will die Stadt nun deutlich über das Konzept des 14er-Rates hinausgehen. "Der 14er-Rat wird in Gammertingen lediglich ein Teil des gesamten Projekts sein", betont Steng. So rechnet der Jugendbeauftragte, dass es gelingen könnte, in Gammertingen gleich 800 bis 1000 Jugendliche zu erreichen. In den 14er-Räten anderer Kommunen sei die Zahl der beteiligten Jugendlichen doch relativ gering.

Jugendliche aller Schultypen werden kontaktiert

Das Gammertinger Konzept sieht vor, die Schüler aller Schultypen zu kontaktieren, sobald sie die sechste Klasse erreichen. Auf Anhieb werde man gleich 820 Schüler zum Mitmachen motivieren. Das sind alle derzeitigen Schüler ab der sechsten Klasse. "Wenn erste Projekte mal umgesetzt werden, dann steigert sich das Interesse", schätzt Steng. Er hofft auch, dass es mit dieser Form der Jugendarbeit sogar gelingen könnte, manch einen jungen Menschen nach dem Studium wieder zurück nach Gammertingen locken zu können.

Das Schöne an dem neuen Projekt ist, dass es dafür eine Förderung geben könnte. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft hat ein entsprechendes Förderprogramm aufgelegt. Gammertingen will sich nun mit diesem Projekt bewerben. Der Gemeinderat hat in seiner jüngsten Sitzung einstimmig grünes Licht dafür gegeben. "Das ist ein tolles, vielversprechendes Projekt, das gute Chancen hat", sagte Gemeinderat Gerhard Jaudas. Vorgesehen ist, einen professionellen Betreuer zu engagieren, der an das Jugendbüro angedockt wird. Wenn die Förderung ausläuft, muss die Stadt neu entscheiden, wie sie weiter verfahren will.

Quelle: Schwäbische Zeitung 10.12.2016

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